Fundbüro Wuppertal, erste Etage. Ein langer Flur zieht sich durch das Gebäude, das im Schatten des Hauptbahnhofs liegt. Grauer Teppich dämpft die Schritte. Weiße Wände reflektieren das Deckenlicht und den Sonnenschein, der durch die Fenster fällt. Fundbüroleiter Udo Feld öffnet eine Tür.
Sein Blick fällt auf Regale mit unzähligen Taschen und Tüten. Mitarbeiter Klaus Ort, einer von 14 Sachbearbeitern hier in Wuppertal, nimmt gerade einen Vogelkäfig von einem Brett.
Im nächsten Raum wieder Regale über Regale. Darin liegen Bilder, ein Souvenir aus Rom und Bücher – alles ordentlich abgelegt und etikettiert. Die Schilder geben Auskunft darüber, wo der Gegenstand abgegeben wurde. Feld zeigt auf fünf dicke Kunstführer: „Ich verstehe nicht, wie man das liegen lassen kann.“
Das zentrale Fundbüro der Deutschen Bahn befindet sich in Wuppertal. Hier sammelt DB Station&Service, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, auf drei Etagen und 1.600 Quadratmetern herrenlose Gegenstände, die Reisende zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, Aachen und Frankfurt a. O. in einem Zug oder in einem Bahnhof liegen lassen.
Zurzeit sind es 4.000. Der Bestand wechselt ständig. Denn Gegenstände, die nach Einhaltung der Aufbewahrungsfrist von 70 Tagen nicht abgeholt werden, versteigert das Fundbüro donnerstags ab 15 Uhr im Wuppertaler Hauptbahnhof. Ausnahmen sind zum Beispiel Lebensmittel, Dokumente, illegal gebrannte DVD.
Die Reisenden lassen bundesweit jährlich rund 250.000 Gegenstände liegen. Meist werden sie zunächst bei einem DB-Mitarbeiter abgegeben, beim Zugbegleiter oder am Service Point eines Bahnhofs. Diese leiten die Sachen an eine der bundesweit 82 Fundstellen weiter. Sie befinden sich in größeren Bahnhöfen wie dem Hamburger oder Münchener Hauptbahnhof.
Selbstverständlich nehmen auch die Mitarbeiter der Fundstellen Fundsachen von Reisenden entgegen und erteilen ihnen Auskunft. Werden die in den Fundstellen der Bahnhöfe deponierten Gegenstände innerhalb von sieben Tagen nicht abgeholt, schicken die Mitarbeiter sie in das zentrale Fundbüro nach Wuppertal.
„Wir sind ein großes Warenhaus“, sagt Feld. Die Fundsachen sind wie im Kaufhaus nach Warengruppen sortiert: In einem Raum befindet sich Kleidung, im nächsten liegen die Handys.
Alles ist in einer Datenbank erfasst. Darunter ein Brief, den ein Soldat 1944 seiner Mutter schrieb; oder der Orden „Liberation of Kuwait“.
Klaus Ort erinnert sich an eine Chinesin. Sie hatte ihre Geige – es ist nicht die auf dem Foto – im Zug liegen lassen und war glücklich, als sie sie wieder bekam.
„Es lohnt sich nachzufragen, wenn etwas im Zug vergessen wurde“, so Feld. „Die Ehrlichkeit ist enorm. Es werden sogar Zehn-Euro-Scheine abgegeben.“ Die Reisenden können etwa eine Hotline anrufen oder sich über das Internet melden.
Die Mitarbeiter des Fundbüros und der Fundstellen werden auch selbst aktiv. Sie kontrollieren jeden Fund auf Hinweise auf den Eigentümer. Wenn sie welche finden, wird dieser benachrichtigt. Die Rückführungsquote liegt bei 60 Prozent.
Während Feld erzählt, hat er die zweite Etage erreicht. Auch hier ein langer Flur. Er öffnet eine Tür. Der Raum steht voller Regale. In Plastikboxen liegen Hunderte von Brillen. Wie die Portemonnaies ein Raum weiter gehören sie zu den am häufigsten verlorenen Gegenständen.